Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Ältestes Buch zum Königrufen (1827) aufgetaucht

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Ältestes Buch zum Königrufen (1827) aufgetaucht

    Infos dazu

  • #2
    Hochinteressant, danke!

    Lässt sich dadurch genauer eingrenzen, wann das Spiel entstanden ist?

    Kommentar


    • #3
      Entstehungsdatum von Königrufen

      Laut http://www.noel.gv.at/bilder/d45/SeltenesTarockbuch.pdf zwischen 1821 und 1829 (bzw. 1827) - zumindest müssen in diesem Zeitraum ein (erstes?) Buch über Königrufen erschienen sein.
      Das jetzt gefundene Buch ist von 1827 und lässt sich übrigens auch downloaden: Theoretisch-praktische Anweisung zur gründlichen Erlernung des beliebten Tarok-Tappen-Spiels / hrsg. von einem genauen Kenner. - 2., viel verb. und mit einem Anhange über das neue "Königrufen" verm. Aufl. (Wien 1827).

      Das passt zeitlich zu den Erscheinungsdaten der auf "Tarock mein einziges Vergnügen" zitierten Büchern, denn die älteren dort zitierten Werke kennen Künigrufen noch nicht.

      Kommentar


      • #4
        Meine Frage bezog sich darauf: Robert Sedlaczek schrieb im Wikipedia-Artikel "Das Spiel Königrufen ist Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts aus älteren Tarockvarianten entstanden." Wenn ein Buch 1821 es noch ignoriert, es in der Ausgabe von 1827 aber schon vorkommt... lässt sich daraus schließen, dass es etwas später entstanden ist, vielleicht um 1810?

        Kommentar


        • #5
          Würde ich auch so sehen.

          Kommentar


          • #6
            Ich würde aus dem Titelteil "das neue Königrufen" und dem Ort+Jahr "Wien 1827", sowie dem fehlen von Königrufen im Buch von 1821 schließen:
            Das Königrufen ist in (um) Wien ca. zwischen 1818 und 1826 populär geworden. Das ältere Buch hat es noch ignorieren können, das neuere nicht mehr.

            "Entstanden" ist eine andere Frage, denn wenn es davor wenige Leute Jahre oder Jahrzehnte lang gespielt haben ohne es zu verbreiten, so dass es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, dann wird sich das nicht mehr feststellen lassen.

            Kommentar


            • #7
              Das ist natürlich präziser. Trotzdem muss man festhalten, dass auch das Mutterspiel 'Tapp-Tarock' erst 1821 (!) in Buchform belegt ist (als Bezeichnung ist es schon einige Jahre vorher nachweisbar, vgl. z.B. das Tiertarock von Peter Schachner aus Wels 1816/1818 mit 'Tarock-Dap' auf der Hülle. Überhaupt muss man jedes mit 54 Blatt vollständige Paket Tarockkarten aus der Zeit vor 1821 als Beweis für die Existenz von Tapp-Tarock (und seinen Ablegern ?) werten. Lt. Klaus Reisinger (+) gibt es aber leider nur ein erhaltenes österreichisches (Mythologie-)Tarock mit dem Steuerstempel 1762-1802). Wie auch immer, Königrufen ist jedenfalls jünger als Tapp-Tarock für drei Spieler, welches allerdings 1821 bereits eine Variante mit 42 Blatt neben der älteren mit 54 Blatt aufweist und bei dem das Mindestgebot 'Tapper' (mit allen 6 Talonkarten) bereits nicht mehr durchgespielt, sondern sofort ausbezahlt wird. Wäre Tapp-Tarock erst 1821 erfunden, könnte Königrufen erst danach entstanden sein; jedenfalls ist das Alter des Königrufens von dem des Tapp-Tarock abhängig, dessen Variante für vier Spieler es darstellt. Die aus dem Quadrille-Spiel stammende Idee eines Viererspiels mit Partnerfindung durch Rufen eines Königs findet sich bereits zuvor in 'klassischen' Tarockvarianten (mit 78 Blatt, Sküs in klassischer Funktion und ohne Ansage des Pagat ultimo; neben der bereits 1756 belegten Möglichkeit eines Viererspiels mit fixen Partnerschaften) - siehe die Spiele 'Taro(c)k-Quadrille' und 'Chiamare il re'; unser 'Königrufen' ist also die Anwendung dieses Prinzips auf das moderne Tapp-Tarock mit 54 Blatt. Bereits im 'Neuesten Allgemeinen Spielbuch' Wien 1829 wird die alternative Möglichkeit des 'Tarockrufens' (= Zwanzigerrufen mit 54 Blatt, somit Vorläufervariante des 'Neunzehnerrufens' inkl. Tschechischem Tarock) erwähnt, was von uns bisher irrtümlich für die Beschreibung eines einzigen Spieles 'König-oder-Tarockrufen' gehalten wurde, aber nur die Miterwähnung dieser jüngeren Nebenvariante in der Beschreibung des Königrufens darstellt. Das heutige 'Zwanzigerrufen' mit 40 Blatt bzw. das '(Illustrierte) Ungarische Tarock' mit 42 Blatt sind offenbar jüngere Varianten des 'Tarockrufens' für das 42er-Blatt, das im Tapp-Tarock aber auch schon 1821 vorhanden ist.

              Wenn auch fraglich bleibt, ob 'Königrufen' bereits (längere Zeit ?) vor 1827 gespielt wurde, muss man dies bei Tapp-Tarock für die Zeit vor 1821 wegen der der Spielbeschreibung immanenten Neuerungen annehmen (alternative Kürzung auf 42 Blatt, Nichtdurchspielen des Mindestgebotes 'Tapper').

              Beim 'Königrufen' wiederum spricht der Umstand, dass bereits 1829 das 'Tarockrufen' als Alternative genannt wird, auch für das Verstreichen einer gewissen Entwicklungszeit; wenn dies nicht bereits bei der Erfindung des Königrufens der Fall war, muss auch für die Entwicklung der Zählung ohne Punkteabzug (mit einem Gewinn bei 54 von 106 möglichen Punkten) eine Entwicklungszeit (in der die Sinnwidrigkeit der 'klassischen' Zählung für drei Spieler in einem Spiel für vier Spieler erkannt wurde, auch wenn sie zweihundert Jahre danach immer noch am Leben gehalten wird) veranschlagt werden. 'Gefühlsmäßig' stellt dies schon ausreichend Stoff für eine Entwicklungszeit des Königrufens von ein bis zwei Jahrzehnten dar.

              Kommentar


              • #8
                Eine andere Frage im Zusammenhang: Das Buch erwähnt einen Einfluss aus dem Whist - lässt sich benennen, worin dieser besteht?

                Kommentar


                • #9
                  Wohl nur darin, dass es ein Spiel für vier Personen ist. Richtig wäre es, Königrufen als Variante des Tapp-Tarock für vier Spieler nach dem Vorbild des Quadrille-Spieles anzusehen. Quadrille ist eine Variante des L'Hombre (das ist ein Spiel für drei Spieler mit Lizitation) für vier Spieler; mit Partnerbestimmung durch Rufen eines Königs oder Alleinspiel. Der Autor beschreibt de facto Quadrille als "Zusammensetzung" von L'Hombre und Whist - Spiel mit Lizitation X für vier Spieler.

                  Kommentar


                  • #10
                    Das deckt sich mit meinem bisherigen Wissen, ja.

                    Kann man also zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass der Hinweis auf das Whist-Spiel im Buch unfundiert ist (und entsprechend in der Sekundärliteratur ignoriert werden kann)?

                    Und könnte man folgenden Satz in Wikipedia schreiben: "Die Partnerbestimmung durch Rufen eines Königs wurde aus dem Kartenspiel Quadrille übernommen, einer Vierspielervariante des Spiels L'Hombre, wie schon das Prinzip des Lizitierens von L'Hombre in das Tapp-Tarock aufgenommen worden war."

                    Kommentar


                    • #11
                      ja, einzige Korrektur: wie schon das Prinzip des Lizitierens von L'Hombre in das Tarock aufgenommen worden war."

                      Das Lizitationsprinzip des L'Hombre ist schon in das klassische Tarock mit 78 Blatt eingedrungen - 'Tarock-L'Hombre' mit den Nachfahren 'Tarot' (französisches Tarock) und 'Droggen' (im Stubaital), es findet sich zwar auch im Tapp-Tarock wieder, ist aber keine Besonderheit des Tapp-Tarock, das sich vom Tarock-L'Hombre primär durch folgende drei Merkmale unterscheidet:

                      1) Sküs als höchste Trumpfkarte
                      2) Reduktion auf 54 (und weiter auf 42) Blatt
                      3) Ansage des Pagat ultimo

                      Kommentar


                      • #12
                        Gab es den Pagat Ultimo nicht schon im Großtarock?

                        Kommentar


                        • #13
                          Es gab zwar einen Bonus bzw. ein Pönale für den Pagat (u.U. nur im letzten Stich, wie im heutigen französischen Tarot "petit au bout"), aber keine Ansage des Pagat ultimo (und somit auch kein Kontra). Außer im Tapp-Tarock und seinen Ablegern gibt es den Pagat ultimo (als Ansage, ursprünglich mit Auflegen) nur im Droggen im Stubaital.

                          Wie John McLeod gezeigt hat, ist dies auf die Sitte des Auflegens des 'Do' [2er, niedrigste Karte einer Farbe, mit Sonderprämie '26' für den letzten Stich] im 'Hundertspiel' oder 'Hunderteinsspiel' (österreichisches Trappola, vgl. http://www.tarock.info/ unten) zurückzuführen.
                          Zuletzt geändert von Alscher; 21.06.2010, 15:39.

                          Kommentar


                          • #14
                            Woher kommt eigentlich die Ansicht in manchen Büchern, es hätte im frühen Königrufen keinen Dreier gegeben, sondern man hätte sich wennschon selber rufen müssen?

                            Kommentar


                            • #15
                              Unter anderem wegen des Buches von 1840 - vgl. Gründliche und leichtfaßliche Anleitung zur baldigen Erlernung des beliebten Tarock-Königrufen, oder die Kunst, dasselbe in kurzer Zeit nach Regeln und Beispielen theoretisch und praktisch spielen zu lernen - das ist das erste Buch, das sich ausschließlich mit Königrufen beschäftigt. Die dort beschriebene Variante ähnelt übrigens verblüffend dem heutigen rumänischen (ukrainischen, Bukowinaer) Tarock, vgl. Rules of Card Games: Romanian Tarok.

                              Genau das ist einer der Gründe, warum das Buch von 1827 so interessant ist: Damit ist bewiesen, dass bis 1840 bereits eine (Seiten-)entwicklung stattgefunden hat, bei der zwar die Talonaufnahme (1827 nur die drei oberen Karten verdeckt) weiterentwickelt ist ((Aufdecken in Stufen jeweils mit Steigerung des Spielwertes), umgekehrt aber das Rufen eines Königs zwingend geworden ist, womit der Unterschied zwischen Rufer und Dreier aufgehoben wird; das Alleinspiel ist immer ein - absichtlicher oder unabsichtlicher - Selbstruf. Beim Solo muss der Spieler einen König rufen, den er selbst besitzt (d.h. ohne König kann man keinen Solo spielen; bei Entschärfung dieser Regel, d.h. Erlaubnis des Rufens eines fremden Königs, läge de facto der spätere Solorufer vor).

                              Die Möglichkeit des Alleinspiels ohne Rufen eines Königs neben der Möglichkeit des Partnerspiels mit Rufen eines Königs ist aber durch das Quadrille-Spiel vorgezeichnet. Das Buch von 1827 zeigt, dass dies auch die ursprüngliche Form des Königrufens war; zugleich wird bewiesen, dass entgegen dem zweideutigen Text von 1829 - http://www.tarock.info/koenigrufen_1829.pdf - nur die Möglichkeit des Königrufens, nicht die Wahl zwischen dem Rufen eines Königs oder eines hohen Tarocks bestanden hat (das Buch von 1829 stellt mit der Erwähnung des Tarockrufens somit den ersten Hinweis auf das Zwanzigerrufen mit 54 Blatt bzw. das spätere Neunzehnerrufen dar).

                              Obwohl im Buch von 1840 die Möglichkeit der Zählung ohne Punkteabzug (mit Gewinn bei 54 von 106 möglichen Punkten) eingeräumt wird, präferiert der Autor die Zählung mit Abzug von 2 Punkten pro 3 Karten wie im Tapptarock (mit Gewinn bei 36 von 70 möglichen Punkten) als die originalere bzw. angemessenere, was ein doppelter Irrtum ist (originaler ist die Zählung von 1827, angemessener ebenfalls - weil die Tapptarock-Zählung nur in einem Spiel für drei Personen berechtigt ist, auch wenn sich die Meinung des Autors von 1840 letztlich mehrheitlich durchgesetzt hat). Es verwundert, dass niemand die ursprüngliche Zählweise für vier Personen (drei Punkte Abzug pro vier Karten) gekannt oder wiederentdeckt hat.
                              Zuletzt geändert von Alscher; 25.06.2010, 17:17.

                              Kommentar

                              Lädt...
                              X