Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Wohl das älteste Industrie-und-Glück-Tarock - 1815

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Wohl das älteste Industrie-und-Glück-Tarock - 1815

    Das Land Niederösterreich » Home » Bildung » Landesbibliothek » Veranstaltungen, Highlights » Highlight des Monats
    Zuletzt geändert von Alscher; 14.07.2013, 18:50.

  • #2
    Nachtrag

    Unter Tarock-Galerie findet sich die pdf-Version einer Powerpoint-Bilderschau http://members.kabsi.at/alscher/Hofmann.pdf sowie meine Ergebnisse zu diesem Spiel http://members.kabsi.at/alscher/Hofmann_doc.pdf

    Kommentar


    • #3
      Ich erahne erst nach und nach die Bedeutung dieses Funds.

      Eigenartig ist jedenfalls, dass sich genau die Karten mit beachtenswerten Motiven erhalten haben, inklusive dem Steuerstempel. Das ist in der Tarockgeschichte eher ungewöhnlich - viel häufiger weisen solche Decks starken Schwund bei den Trümpfen auf.

      Einerseits ist die volle Erhaltung der Bildkarten erfreulich, andererseits ist, wie richtig erwähnt, der Verlust der Information über die Kartenzahl schade. Wieviele hatte das Spiel von 1819?

      Und was mich noch besonders interessieren würde: Lässt sich vielleicht aus dieser Urversion ein Vorbild für den Adler auf Tarock II ermitteln? Und war der einköpfige Adler geschichtlich die Norm, der zweiköpfige wie jener von 1880 die Ausnahme?

      Kommentar


      • #4
        Leider hat Klaus Reisinger nicht die Kartenanzahl der von ihm beschriebenen Spiele angegeben und auch keine Skatindeln abgebildet, die Rückschlüsse erlauben würden. Die Skatindeln scheinen regelmäßig dem Desinteresse der Sammler zum Opfer zu fallen. Das "Tarot allemand à deux têtes" ist jedenfalls ein 78er-Deck - in Frankreich spielt man ja auch heute noch mit 78 Karten (in Österreich ist/war der letzte Überlebende das "Droggen" im Stubaital mit zuletzt 66 Karten).

        Es ist aber jedenfalls fraglich, ob die Kürzung des Blattes auf 54 Karten sich schon so früh auf Seite der Kartenhersteller durchgesetzt hat - immerhin waren wohl auch noch Spiele mit 78 Karten neben dem jüngeren Tapptarock und seinen Abkömmlingen üblich (und die Steuer betrug ohnedies 14 Kreuzer für Tarockkarten, unabhängig von der Kartenanzahl). Insbesondere das sogenannte "Pagatjagen" als Vorläufer des Tapptarock scheint eine Art Tarock-L'Hombre mit Ansage des Pagat ultimo (wie Droggen) und vielleicht auch schon mit Promotion des Sküs zum höchsten Tarock, aber noch ohne Kürzung auf 54 Blatt gewesen zu sein. "Auch das Tappen, welches ursprünglich aus dem eigentlichen Tarok entstand, und zuerst als "Pagatjagen" mit einigen Abweichungen, dann als Tappen mit sechzehn, und endlich, für Spieler, denen jene Weise nicht Gewinn und rechten Gang genug verbürgt, mit zwolf Karten, nach den zweyerley Grundsätzen ..." (Einleitung zum Königrufen, 1827).

        Auch die gelegentlich abgebildeten Andruckbögen helfen nicht weiter, weil sie regelmäßig nur Tarocke und Figuren zeigen; die Skatindeln wurden wohl mit Stempeln oder Schablonen zusätzlich angefertigt (Ich kann mich erinnern, bei Piatnik einmal ein "Großtarock" mit 78 Blatt erworben zu haben - die überzähligen Skatindeln waren offenbar einfach hinzugefügt, vom Vergilbungszustand her gesehen aber nicht zugleich erzeugt worden).

        Was den Adler auf II in Industrie-und-Glück-Tarocken betrifft: die Einkopfvariante ist originaler und auch viel häufiger - selbst auf den heutigen Typen V und VI.
        Zuletzt geändert von Alscher; 16.07.2013, 10:37.

        Kommentar


        • #5
          Ist bekannt mit welcher Technik sind diese Karten hergestellt wurden: Sind das Farbdrucke? Wurden dafür Druckplatten graviert? Lässt sich bei so alten Karten eigentlich feststellen wie groß die Auflagen waren?

          Kommentar


          • #6
            Technik: Kupferstich (Tiefdruck, im Unterschied zur Radierung graviert und nicht geätzt). Aufbringung der Farben mittels Schablonenkolorierung (Durchdruck), Skatindeln nur mittels Schablone. Auflage maximal 1.000 Stück, wahrscheinlich weniger (einige hundert).

            Kommentar


            • #7
              Danke ... eigentlich hätte ich auch das Hoffmann_Doc.pdf lesen können bevor ich frage

              Bevor ich also frage warum nur 1000 Stück oder weniger hergestellt wurden habe ich erst einmal die Wikipedia konsultiert (Kupferstich), und die behauptet:
              Eine technisch sauber hergestellte Kupferplatte ermöglicht etwa 200 Abzüge bester Qualität. Weitere 300 bis 400 Blätter können in guter Qualität hergestellt werden. Anschließend sind nur noch mittelmäßige Abdrucke zu erzielen, die zunehmend verflachen.
              Man könnte natürlich alle 500 Stück eine neue Platte mit exakt den gleichen Motiven gravieren.
              Sind Serien wie "Industrie und Glück" aus kleinen Änderungen hervorgegangen, die immer dann gemacht wurden wenn eine neue Platte gebrauch wurde? Dann müsste sich das auf eine Linie von Kartenmachern beschränkt haben, von Meister zu Schüler, ..

              Stattdessen hätten die Hersteller auch gänzlich neue Motive verwenden können, und völlig verschiedene Decks entwerfen.

              Weiß man wieviele Spielkarten damals überhaupt insgesamt hergestellt wurden, z.B. aus Aufzeichnungen einer Kartenmanufaktur?

              Kommentar


              • #8
                Für die Vielfalt der Spielkarten des 19. Jh. gibt es tatsächlich zwei Gründe: die Existenz mehrerer Hersteller und die Beschränktheit der Reproduzierbarkeit der Karten bei den klassischen Druckverfahren wie Kupferstich (daneben zunächst nur Holzschnitt, später auch Holzstich, Stahlstich, Lithographie). Reisinger gibt Verkaufszahlen für Spielkarten bzw. Tarocke (abgestempelte Spiele) an: 1845 - Österreich unter der Enns (= Niederösterreich mit Wien) 218.199 Kartenspiele (davon 44.811 Tarocke), Österreich ob der Enns 40.554 (2.023 Tarocke), Steiermark 34.713 (2.694 Tarocke), Tirol und Vorarlberg 17.890 (650 Tarocke). 1912 wurden in Österreich unter der Enns 1.427.343 Kartenspiele (davon 157.381 Tarocke) abgestempelt. Die Gesamtproduktion an Tarockkarten in der österreichischen Reichshälfte beträgt für 1842 58.280, 1882 132.075, 1912 175.640 (außer in Österreich unter der Enns Spielkartenproduktion nur noch in Krain, Küstenlande, Galizien und Böhmen). Das Maximum in Wien bildeten 176.629 Tarocke im Jahr 1893 (bei zehn Herstellern).

                Kommentar


                • #9
                  Zitat von Alscher Beitrag anzeigen
                  Die Gesamtproduktion an Tarockkarten in der österreichischen Reichshälfte beträgt für 1842 58.280, 1882 132.075, 1912 175.640 ...
                  Bedeutet das 132075 Packungen Tarockkarten nur im Jahr 1882, oder in den 40 Jahren von 1842 bis 1882?
                  Bei einer Einwohnerzahl von 4.963.528 (laut Liste der Volkszählungen in Österreich) hätte somit jeder 37te Einwohner in diesem Jahr eine Packung Tarockkarten gekauft.

                  Kommentar


                  • #10
                    Nur im Jahr 1882. Lt. einer mündlichen Auskunft von Dieter Strehl (Geschäftsführer von Piatnik) vor ca. 10 Jahren werden auch jetzt noch jährlich ca. 100.000 Tarocke in Österreich verkauft. Die Bevölkerungszahl von 1882 kenne ich nicht; die österreichische Reichshälfte war aber jedenfalls größer als das heutige Österreich und umfasste auch Galizien und Lodomerien, Bukowina, Böhmen, Mähren, Österreichisch-Schlesien, Krain, Küstenland, Dalmatien, natürlich auch Südtirol inklusive Trentino (Welschtirol), dafür aber nicht das Burgenland (Deutsch-Westungarn). 1845 gehörte auch Venetien und die Lombardei noch zum (ungeteilten) Kaiserreich Österreich. Ich habe von den Zahlen bei Reisinger aber nur die Länder genannt, die auch zum heutigen Österreich nebst Südtirol gehören (also z.B. nicht die Zahlen für Böhmen oder Mähren), soweit es sich nicht um Gesamtstaatsangaben handelt.

                    Kommentar


                    • #11
                      Faksimileausgabe(n) bei Piatnik neu erschienen

                      Industrie & Glück Tarock, Joh. N. Hofmann, Wien 1815, No. 2883

                      Chinesen Tarock, Joseph Estel, Wien 1820, No. 2884
                      (Passend zum vorigen Tarock)

                      Feinste Wiener Tarock, Ferd. Piatnik um 1867, No. 2885
                      (Wiener Vedutentarock von Piatnik,
                      nicht ident mit No. 2876 =
                      Faks.-Ausg. des Wiener Vedutentarocks der Fa. Josef Glanz)
                      Angehängte Dateien
                      Zuletzt geändert von Alscher; 27.08.2014, 20:08.

                      Kommentar


                      • #12
                        Danke für den Tipp!!!

                        Kommentar

                        Lädt...
                        X