Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Königrufen (NICHT die Tarockvariante)

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • Königrufen (NICHT die Tarockvariante)

    Ich suche Leute, die möglicherweise ein als "Königrufen" bezeichnetes Spiel mit einem Blatt aus 24 doppeldeutschen (oder auch französischen) Karten kennen, dass ich nur von einer Familie aus Graden (in der Weststeiermark) kenne. Es wird laut der Urgroßmutter meiner Kinder seit alter Zeit von den Bauernfamilien dort gespielt. Das Spiel hat fast keine Bezüge zum Tarock (abgesehen davon, dass durch Ruf einer Karte ein Mitspieler ermittelt werden kann), eher noch zum Preferanzen dieser Variante, obwohl es im Gegensatz dazu weder Trumpf noch Talon gibt und es ein Viererspiel ist. Ihr findet eine Beschreibung im Spielewiki-Artikel Gradener_Königrufen

    Ich danke im voraus für jeden Hinweis

    Norbert
    Zuletzt geändert von mr12rock; 27.08.2011, 13:07. Grund: absatz

  • #2
    Wilkommen im Forum, mr12rock!

    Ich bin gerade nicht zu Hause und werde morgen inhaltlich antworten, sowie mich selber in der Sache weiterbilden.

    Kommentar


    • #3
      Also: Wie es der Zufall will, habe ich erst kürzlich im E-Mail-Verkehr mit John McLeod und Robert Sedlaczek erfahren, dass es auch ein anderes Königrufen als die Tarockvariante gibt. Remigius Geiser hat mir die Informationen geschickt. Das Spiel wird zumindest in Rußbach im Tennengau noch sehr gepflegt. Die Grundregeln entsprechen der donauschwäbischen Rufmarriage, die hier beschrieben ist:

      Yesteryear Card Games of the Donauschwaben in Hungary

      Zitat Remigius Geiser:

      "Von dieser Regelvorschrift der Donauschwäbischen Ruf-Mariage weicht die Salzburger (Rußbacher) Spielweise in folgenden Punkten ab:

      Wer den Ober und König in einer Farbe als Prämie anmeldet (20 Punkte, in der Trumpffarbe 40), braucht diese Karten nicht herzuzeigen, die Meldung allein genügt.

      Zehner, Sauen und letzter Stich, die jeweils 10 Punkte zählen, werden als "Gwisse" bezeichnet.

      Die Abrechnung erfolgt nicht durch Auszahlung der Differenzpunkte, sondern es werden folgende Gelder bezahlt:

      einfacher Gewinn des Spieles: 10 Cent
      Erreichen von 100 Punkten: 20 Cent
      dito angesagt: 30 Cent
      Gewinn sämtlicher Stiche: 20 Cent zusätzlich
      dito angesagt: 30 Cent zusätzlich

      Wer 20 ansagt, benötigt mindestens 60 Punkte, damit das Spiel als gewonnen gilt. Wer 40 ansagt, benötigt mindestens 80. Wer 60 oder mehr ansagt, benötigt mindestens 100."

      Aber das ist wiederum ein anderes Spiel als das Gradener Königrufen, denn es wird mit 32 statt nur 24 Karten gespielt. Möglicherweise war es dieses Spiel, das auch schon Peter Rosegger in seiner Waldheimat erwähnt hat:

      "Ich hatte solche Fortschritte gemacht, daß mir nicht bloß die Figuren, sondern auch schon sehr viele Spiele bekannt waren. So taten wir »zwicken«, »brandeln«, »mauscheln«, »bettlerstrafen«, »königrufen«, »grün' Buben suchen«, »pechmandeln«, »mariaschen« und anderes."

      SAGEN.at - Als ich das Ofenhuckert gewesen, Peter Rosegger

      Was nun das Gradener Königrufen betrifft... ich fürchte, solange niemand über dieses Spiel geschrieben hat, ist es auch nicht relevant für Wikipedia. Ich werde mich dort äußern.

      Kommentar


      • #4
        Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Ich war schon auf der Suche nach Remigius, da er in einer Auflistung eines Lexikonartikels auf ostarichi.org ein Königrufen mit doppeldeutschen Karten erwähnt hat. Ist also ein völlig anderes Spiel.

        Wenn dieses (Gradener) Königrufen mangels Rezeption in Literatur und Web nicht Wikipediatauglich ist: vielleicht hättest du einen Tipp parat, wo die Beschreibung dieses möglicherweise sehr regionalen, aber nachvollziehbar alten Kartenspiels (die Urgroßmutter meiner Kinder, Mitte 80, berichtete mir, dass das Spiel von ihren Großeltern nach diesen Regeln gespielt wurde, das Mindestalter beträgt somit 100-150 Jahre) seinen Platz finden könnte - es wäre schade, würde dieses interessante Spiel irgendwann völlig in Vergessenheit geraten.

        Kommentar


        • #5
          Mögliche Anlaufstellen:

          TALON Österreich-Ungarischer Spielkartenverein

          The International Playing-Card Society

          Kommentar


          • #6
            Ich bin neugierig - was hast du weiter unternommen?

            Kommentar


            • #7
              Lieber Knightmove,
              ich habe damals versucht, via Kulturverein von Graden näheres herauszufinden, da war aber nichts zu erfahren - und dann habe ich mich sehr lange nicht mehr damit beschäftigt. Jetzt hab ich grade Kontakt mit John, ihn interessiert das Spiel recht, aber Informationen darüber hat er auch nicht, ich glaube mittlerweile, dieses "Königrufen" (in dem kurioserweise im Rufspiel ja praktisch niemals ein König gerufen wird, sondern fast immer eine As) ein rein regionales Bauernspiel ist - benannt nach dem Königrufen, da das wohl dem Namen nach als edles Kartenspiel bekannt war.
              Wenn ich je was näheres herausfinde, werde ich es hier posten. Danke nachmals für das Interesse, Knight!

              Kommentar


              • #8
                Dem Ursprung näher gekommen

                John McLeod ist genial. Hatt der doch glatt eine logisch stringente Verbindung zwischen dem Königrufen, wie es Remigius Geiser beschreibt, und dem Gradener Königrufen konstruiert:

                "I just checked Geiser's article again and also the forum thread. I agree that the games are different but I think there must be a connection between them, which you can see from the use of the term 'Hundert' in Graden for a game in which you have the King and Ober of a suit. This must originally have been a game for which you needed 100 points. In Geiser's Königrufen, there is a 100 announcement which would requite a K-O pair, since otherwise the total points available in the game are only 90, even if you win every trick. You find this announcement in Ulti and Marias as well.

                Therefore I see Gradener Königrufen as a streamlined and simplified version of Geiser's Königrufen. I would guess that at some point the pack was reduced to 24 cards to speed up the game. Contracts in which the bidder to win less than all the tricks were dropped because they were thought too easy: there are many examples of games in which the lowest contracts are at some point disallowed to make the game sharper. Also, because the bidder would always start by taking out trumps, the trump suit became irrelevant, since no one was ever in a position to win a trick by trumping. When every contract required the bidder's side to win or lose all tricks, the point values of the cards also became irrelevant, except in the case of Schurln, from which we can see that the aces and tens are indeed worth 10 points as in the other games of the family. Only the extra 10 points for the last trick, which we might expect to find in Schurln, seems to have been lost."

                Was ich gegenüber John nicht erwähnt hatte: die Assen werden beim Schurln tatsächlich auch "Zehner" genannt, und dass der letzte Stich auch 10 zählt, hatte ich ganz einfach vergessen: das ging also nicht verloren. Die Hypothese von John kann sich also auf zwei weitere Gemeinsamkeiten stützen...

                Kommentar

                Lädt...
                X