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Alt 02.10.2009, 22:06
Benutzerbild von KnightMove
Tarockforum-Team
Valat
 
Registriert seit: 03.12.2004
Ort: Wien
Beiträge: 1.844
Standard Idee: "Kulanzrenonce"

Folgende Idee kam mir einst bei der Arbeit am Tarock-Verhaltenskodex:



Es gibt ja verschiedene Auffassungen, inwieweit bei Renoncen Kulanzlösungen gesucht werden können und sollen... was ist "fair"? Das kann zu Streit führen und zu Ärger über Verhaltensinkonsistenzen.



Mir kam hierzu folgende Idee: Seit 2000 kennt das österreichische Strafrecht die Diversion: Z.B. bei Ersttätern wird auf ein Strafverfahren verzichtet, verbunden mit geringfügigen erzieherischen Maßnahmen.



Ich denke, etwas analoges könnte man in Tarockturnieren einführen:



Wenn jemand eine "mindere" Renonce begeht, kann man sie ihm aus Kulanz erlassen, ebendies jedoch notieren. Pro Runde kann jeder einmal von dieser Kulanzrenonce profitieren, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind:

1. Die Renonce war nicht geeignet, dem Spieler einen Vorteil zu verschaffen; oder es ist durch sein eigenes Verhalten offensichtlich, dass keine Absicht vorliegt.

2. Der regelkonforme Spielverlauf kann mühelos wiederhergestellt werden.

3. Es wurde Spielpartnern keine spielrelevante Information vermittelt.



Eine solche Regelung kann einen Konsens herstellen, wie "scharf" gespielt wird, was für den Frieden im Turnier auch sehr förderlich wäre.



Beispiele, wo die Regel zur Anwendung kommen könnte:



* Der Gegner eines Dreierspielers sticht diesem einen König mit Tarock X ab, obwohl er die Farbe mit hat, dreht den Stich um, bemerkt seinen Irrtum. Da mühelos der richtige Spielverlauf wiederhergestellt werden kann und es kaum eine relevante Information ist, dass der Spieler Tarock X im Blatt hat, kommt die Kulanzrenonce zur Anwendung.



* Beim Trischaken vergisst die Vorhand auf die Zuwaage. Nach zwei Stichen bemerkt es jemand. Da die beiden Stiche völlig problemlos zugeordnet werden können und die beiden Karten keine bis dahin relevante Information preisgaben, ist Raum für die Kulanzrenonce.



Beispiele, wo sie nicht zur Anwendung kommen könnte:



* Ein Dreierspieler spielt im vorletzten Stich einen König aus, einer der Gegner bedient nicht die Farbe, obwohl er sie mithat. Im letzten Stich schlägt der Gegner mit seiner farbkarte ein Skartindel des Dreierspielers, und dieser bemerkt es. Da die Renonce einen hochgradigen Vorteil verschafft hätte, ist hier keinesfalls Kulanz zu gewähren.



* Bei einem Negativspiel vergisst jemand auf den Märchenstich. Erst drei Stiche später wird es bemerkt. Der Spielverlauf lässt sich nicht ohne übergroßen Aufwand rekonstruieren; keine Kulanzrenonce.





Ich ersuche um Feedback zu dieser Idee.
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  #2 (permalink)  
Alt 04.10.2009, 13:41
Benutzerbild von SirAlex
Erfahrener Benutzer
Besserrufer
 
Registriert seit: 13.12.2004
Ort: Wien
Beiträge: 295
Standard Kulanz-Renonce ("KR")

Hmm, ja, brauchbar.....ist dann natürlich immer im Ermessen der Schiedsrichter.



Aber auch verwendbar für die vielen "Renoncen", die aufgrund leiser Stimmen oder "schwacher Hörgeräte" zustandekommen :D

zB jemand liziert einen Pagatrufer, überhört einen lizitierten F3er, und ruft schon einen König. Auch wenn er den Talon auch schon umgedreht hat, könnte man die Kulance-Renonce zur ANwendung kommen lassen, weil der F3er Spieler würde den Talon ja auch umdrehen.



Oder oft kommt es vor, dass bei positiven Spielen der falsche Spieler ausspielt (also nicht die Vorhand); wenn man das bemerkt, b4 der erste Stich umgedreht ist, wäre das noch KR ?

wenn die Karten zum 2.Stich auf dem Tisch sind, jedenfalls nicht mehr mMn.
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  #3 (permalink)  
Alt 04.10.2009, 18:32
Benutzer
Solorufer
 
Registriert seit: 14.01.2009
Beiträge: 53
Standard

Meiner Meinung nach soll es bei der, nun bei allen Cup-Turnieren,eingeführten toleranten Regelung bleiben:wenn der Stich noch nicht umgedreht ist,darf die renouncierende Karte noch zurückgenommen werden.Das ist eine tolerante Version und soll beibehalten bleiben.Alles andere würde schon wieder zu unübersichtlich werden und zu Unstimmigkeiten führen.
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  #4 (permalink)  
Alt 21.10.2009, 19:22
Benutzer
Piccolo
 
Registriert seit: 31.03.2005
Beiträge: 37
Standard

Ich seh das so wie Ingrid. In meiner Runde waren wir bei kleineren Renoncen oft kulant. Letztlich ist es aber immer eine Ermessensentscheidung der Mitspieler, wann kulanterweise auf die Renonce verzichtet wird und wann nicht. Das führt zwangsläufig zu Diskussionen.
Um Streitigkeiten zu vermeiden haben wir daher auf eine harte Regelung umgestellt. Spätestens wenn auf einer Karte was draufliegt oder der Stich eingezogen wurde, gibt's keine "Rückabwicklung" mehr und basta. Dasselbe gilt, wenn theoretisch zwar noch eine Rückabwicklung möglich wäre, aber die anderen Spieler dadurch, dass eine wichtige Information über das Blatt des Spielers, der renonciert hat erhalten haben. Letzteres ist dann der Fall, wenn ein Tarockstecher (ab XVI aufwärts), Vogerl, König oder ähnliches zurückgenommen werden müßte.

Nur so kann sicher gestellt werden, dass sich kein Spieler benachteiligt fühlt. Hart aber gerecht und für alle gleich ist besser als kulant mit Diskussion.
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