Idee: "Kulanzrenonce"
Folgende Idee kam mir einst bei der Arbeit am Tarock-Verhaltenskodex:
Es gibt ja verschiedene Auffassungen, inwieweit bei Renoncen Kulanzlösungen gesucht werden können und sollen... was ist "fair"? Das kann zu Streit führen und zu Ärger über Verhaltensinkonsistenzen.
Mir kam hierzu folgende Idee: Seit 2000 kennt das österreichische Strafrecht die Diversion: Z.B. bei Ersttätern wird auf ein Strafverfahren verzichtet, verbunden mit geringfügigen erzieherischen Maßnahmen.
Ich denke, etwas analoges könnte man in Tarockturnieren einführen:
Wenn jemand eine "mindere" Renonce begeht, kann man sie ihm aus Kulanz erlassen, ebendies jedoch notieren. Pro Runde kann jeder einmal von dieser Kulanzrenonce profitieren, wenn folgende drei Bedingungen erfüllt sind:
1. Die Renonce war nicht geeignet, dem Spieler einen Vorteil zu verschaffen; oder es ist durch sein eigenes Verhalten offensichtlich, dass keine Absicht vorliegt.
2. Der regelkonforme Spielverlauf kann mühelos wiederhergestellt werden.
3. Es wurde Spielpartnern keine spielrelevante Information vermittelt.
Eine solche Regelung kann einen Konsens herstellen, wie "scharf" gespielt wird, was für den Frieden im Turnier auch sehr förderlich wäre.
Beispiele, wo die Regel zur Anwendung kommen könnte:
* Der Gegner eines Dreierspielers sticht diesem einen König mit Tarock X ab, obwohl er die Farbe mit hat, dreht den Stich um, bemerkt seinen Irrtum. Da mühelos der richtige Spielverlauf wiederhergestellt werden kann und es kaum eine relevante Information ist, dass der Spieler Tarock X im Blatt hat, kommt die Kulanzrenonce zur Anwendung.
* Beim Trischaken vergisst die Vorhand auf die Zuwaage. Nach zwei Stichen bemerkt es jemand. Da die beiden Stiche völlig problemlos zugeordnet werden können und die beiden Karten keine bis dahin relevante Information preisgaben, ist Raum für die Kulanzrenonce.
Beispiele, wo sie nicht zur Anwendung kommen könnte:
* Ein Dreierspieler spielt im vorletzten Stich einen König aus, einer der Gegner bedient nicht die Farbe, obwohl er sie mithat. Im letzten Stich schlägt der Gegner mit seiner farbkarte ein Skartindel des Dreierspielers, und dieser bemerkt es. Da die Renonce einen hochgradigen Vorteil verschafft hätte, ist hier keinesfalls Kulanz zu gewähren.
* Bei einem Negativspiel vergisst jemand auf den Märchenstich. Erst drei Stiche später wird es bemerkt. Der Spielverlauf lässt sich nicht ohne übergroßen Aufwand rekonstruieren; keine Kulanzrenonce.
Ich ersuche um Feedback zu dieser Idee.
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