Bluffen (in der Lizitation) legitim?
Hallo!
in unserer runde ist heute folgendes passiert:
ich habe als dritter in der ersten lizitationsrunde - nachdem die beiden spieler vor mir schon gesagt hatten, dass sie spielen möchten - auch gesagt, dass ich spiele. es war dann aber so, dass meine karten bei näherer betrachtung eigentlich eher richtung nicht-spieler-blatt gingen (durchschnittliche karten, zu viel für ein negativspiel aber auch nicht gut genug für etwas anderes) und ich nicht wirklich heiß darauf war, wirklich selbst zu spielen. als erster hätte ich wohl auch genauer nachgesehen und nicht gespielt, als dritter in der runde war die gefahr aber nicht so groß, da ich ja wohl ohnehin nur sagen müsste, dass ich darunter liege. deswegen hatte ich auch nicht mit meinem "ich spiele" gezögert...
es kam dann zu einer grundsatzdiskussion, weil man so ja andere spieler etwas falsches über die eigenen karten und den talon glauben machen kann. dazu 2 fragen:
macht diese irreführung überhaupt sinn?
wenn zb mein gegner glaubt, dass ich etliche tarock haben muss, dann hält er sich eventuell mit seinen ansagen zurück, umgekehrt kontriert vielleicht mein partner, weil er "auch" gute karten hat (aber in wirklichkeit hab ich ja keine...).
ich fände es aber ganz schön, wenn ich so zb einen pagatdreier zu einem pagatrufer "umwandeln" könnte und so eventuell selbst punkte machen kann.
versucht ihr, eure gegenspieler (aber eventuell auch mitspieler) in der lizitationsphase zu verwirren?
falls nicht, ist meine zweite frage, ob ihr dies einfach nur nicht macht bzw. nicht als besonders zielführend erachtet oder ob ihr derartiges bluffen überhaupt für nicht regelkonform befindet bzw. für moralisch nicht vertretbar.
ein mitspieler war sehr vehement dagegen und meinte, dass die lizitation 100% ehrlich ablaufen müsse, weil sie sonst keinen sinn macht und man sie gleich weglassen kann. er ist eben die meinung, dass man sich nur so ein bild über die anderen blätter machen kann und auf diese weise eben ein besseres spiel zusammen kommt.
ich hingegen vertrete eher den standpunkt, dass ich - soweit es die regeln ermöglichen - meine gegenspieler lieber im unklaren darüber lasse, wie meine karten aussehen. in meinen augen trifft das zb auch auf einen staudenhocker zu (also jemand, der mit einem sehr guten blatt nix ansagt und dann ggf. kontriert). dies ist in gewisser weise auch "unehrlich", da man ja so einen falschen eindruck von den karten der mitspieler und vom möglichen talon bekommt.
über staudenhocker sind wir in unserer runde teils natürlich nicht besonders erfreut, manchmal ist es (für manche) auch recht amüsant, oft ist die reaktion "naja, du bist ja blöd, du könntest viel mehr punkte machen, wenn du selbst spielen würdest", etc. aber generell wird es (natürlich) akzeptiert.
im oben beschriebenen umgekehrten fall, also eben, wenn man den eindruck erweckt, dass man spielen will und eigentlich hofft, dass man es garnicht muss, ist der eine mitspieler aber sogar soweit gegangen, dass er meinte, dass man so gar nicht spielen brauche.
ich wollte jetzt einfach wissen, wie es ihr seht.
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